"
als Mensch bin ich Werdender und Lernender"

Körper
unser Instrument das Leben zu er-leben
das Haus unseres Werdens
das Geschenk, das es anzunehmen lernen gil

Wir sind da, um voneinander zu lernen, was wir können und Freude zu finden an diesem Wunder Körperlichkeit.

Tanz
diese Feier der Körperlichkeit
wenn ich getragen werde von der Bewegung, der Musik, dem Sein
die Bewegung der Gräser im Wind

"tanzen und sein ist dasselbe"    (Silja Walter)

Poiesis
neben Theorie und Praxis eine weitere Art von Wissen
wenn durch tanzen, gestalten, musizieren, spielen neue Erkenntnisse, neues Verständnis  entsteht
wenn durch zweckfreies Tun sich Erkenntnis formt

Poiesis (griech.) hatte im griechischen eine ähnliche Bedeutung wie bei uns das Wort "Kunst". Es bedeutete gleichermassen das Medium wie auch die Tätigkeit. Und hier öffnet sich das Feld, wo Inspiration und Überraschung wichtige Worte werden.

Wo kein Handlungsspielraum mehr zu sein scheint im Alltag, werden neue Räume gefunden und führen in eigene Lösungen hinein.

Wo die Selbstwahrnehmung reduziert ist, werden im kreativen Tun die inneren Gestaltungskräfte wieder aktiviert.

Wo das Vertrauen in das Eigene wankt oder verloren gegangen ist, wird durch das Schaffen von Werken, und seien sie noch so klein, der tragende Boden unter den eigenen Füssen wieder spürbar.

Im Körper werden wir allem gewahr: der Enge, der Last, aber auch der Veränderung, der Ueberraschung, des Neuen, das sich im Laufe der Arbeit einstellt, um dann, immer mehr, einer erweiterten Selbstwahrnehmung entgegen zu wachsen – und "plötzlich sieht alles anders aus".

In Uebergangszeiten, in Veränderungszeiten, in Zeiten, wo vieles oder alles wieder offen steht, sind wir aufgefordert, Neues zu erfinden. Das, was helfen kann, muss erst erfunden werden. Die Mittel dazu können in den verschiedenen Medien gefunden werden, je nach Thema und Persönlichkeit.
Die Methode der Kunst- und Ausdruckstherapie arbeitet neben dem Gespräch mit allen künstlerischen Medien wie Bewegung, Tanz, Malen, dreidimensionalem Gestalten, Musik, Spiel und Poesie. Vielleicht drückt der Körper mit einer Bewegung mehr aus, als mit Worten möglich ist. Vielleicht kann in einer Musik, in einem Bild das Unaussprechliche mitgeteilt werden.
Interview mit Marta Canellas in Barçelona (2013): deutsch / español